Genau so gut könnten wir die Uhr anhalten um Zeit zu sparen
Würde die derzeitige Diskussion über das Traffic-Marketing von Medien mit dem Ziel ihre Reichweiten bei den Intenetangeboten zu pushen nicht auch von renomierten und intelligenten Protagonisten geführt werden, könnte man meinen, jemand möchte die Uhr anhalten um Zeit zu sparen.
Da soll es doch tatsächlich Medien geben, die ihr Geld in Marketingaktivitäten stecken um damit Interessenten für Ihre Internetangebote und deren Inhalte aus dem Netz zu holen. Diese Leute, die so etwas tun oder veranlassen, kaufen sich Begriffe in Suchmaschinen. Also Begriffe, danach denen andere Menschen gerade im Internet unter Zuhilfenahme der allgemein bekannten Suchmaschinen, suchen. Wahrscheinlich weil sie ein Begriff derzeit interessiert, sie also dazu mehr wissen wollen. Eigentlich mit dem selben Ziel, mit dem jeder Redakteur seinen Themenradar täglich scannt.
Und das soll verwerflich sein? Nein. Denn hier geht es um 2 ganz unterschiedlich Befindlichkeiten. Zum einen ärgern sich diejenigen über jene die verstanden haben, dass dem Internet u.a. auch Eigenschaften die den Medienfunktionen zugeschrieben werden besitzt und sie erst lernen müssen, dass in der neuen Medienökonomie andere Gesetzmäßigkeiten gelten wie in der Alten, z.B. der vom Senderstatus ausgehenen Medienhoheit. Aber viel mehr ärgert diese Menschen, dass man, wenn man die Technischen Strukturen des Internets und der Suchmaschinen kennt, damit auch Traffic und Aufmerksamkeit generieren kann - und sich damit einen Wettbewerbsvorteil erarbeiten (sie würden sagen erkaufen) kann. Der Wettbewerb um die Aufmerksamkeit wird heute nur mit der Unterstützung von Spezialisten, mit der Kenntnis in der Detaildisziplinen gewonnen. Das Internet ist ein technisches Medium, also müssen wir die technischen Muster verstehen.
Richtig ist aber, dass wir uns heute zuwenig überraschen lassen, wir suchen nach Regeln die wir festlegen. Besser gesagt wir nutzen Suchalgorithmen, denen wir vertrauen. Und das ist die andere Facette der Diskussion. Es ist einerseits der Kampf von unterschiedlichen Werbeträgergattungen um Werbemärkte und andererseits die Frage nach den Aufgaben und Grundfunktion der Medien. Professor Dr. Klaus Schönbach, ein renomierter Medienwissenschaftler der Uni Amsterdam und Friedrichshafen, spricht in diesem Zusammenhang von der “zuverlässigen Überraschung“, die klassiche Medien zu leisten im Stande sind.
Hierzu ist anzumerken, dass bisher sämtliche Versuche von ”technischen Leistungsanbietern”, wie u.a. Yahoo oder Google, gescheitert sind, eigenständigen und relevanten News-Content zu generieren und nachhaltig zu kapitalisieren.
Die Phalanx der SEM-Gegner richtet sich weniger gegen eine mögliche technische Unterstützung von Maschinen und der Aufgabe das Internet nach verwertbaren Informationen zu durchsuchen, sondern gegen Unternehmen die dabei sind, die Core-Komptenzen und Funktionen klassischer Medienunternehmen zu torpedieren. Sie richtet sich gegen die Abhängigkeit, dass nur noch Maschinen unser Themeninteresse steuern. Und damit auch gegen den Trend, dass immer mehr Gelder - Marketingetats aus den unterschiedlichen Töpfen sowie die Ausgaben für die Kommunikation - in digitale Medien wandern, die darüber hinaus auch nur bedingt eine klassische Medienfunktion bedienen.
Wie weit diese beiden Welten noch auseinander sind hat mir ein SEO-und SEM-Kongress vor 2 Wochen gezeigt. Die Referenten und Teilnehmer des Kongresses haben sich übereinstimmend darüber geäußert, dass sich die Ausgaben für SEO- und SEM-Maßnahmen in den nächsten Jahren noch deutlich erhöhen werden und das eines der großen Wachstumsprobleme der Branche u.a. daran liegt, dass es nicht genügend qualifiziertes Personal für die Akquisition und Umsetzung gibt. Wenn man sich die Skills der Mitarbeiter anschaut, würde ich diese in der Denke als eine Kombination aus TV-Optimierern und Direktmarketing-Anbietern beschreiben. Auffälig war auch, dass dieser Kreis - trotz ca. 250 - 300 Teilnehmern, weitgehend unter sich geblieben ist, sprich Verteter der klassischen Medien (z.B. auch um dazu zu lernen) und Kommuniaktionsverantwortliche großer Markeneartikelunternehmen habe ich nur sehr vereinzelt angetroffen.
Andersherum: Da “wundern” sich Werbe-Umsatzverantwortliche in den Medienhäusern, dass die Etatanteile für klassische Kommunikationsmaßnahmen skzessive kleiner werden, andererseits findet aus meiner Sicht nur eine unzureichende Auseinandersetzung mit den Marktteilnehmern statt. “Interdisziplinär” sollte kein Schlagwort für inhouse-Schulungen und Verbandtagungen sein, sondern muß gelebt, muß erfahren werden, sonst brauche ich mich nicht wundern, wenn mich Teile des Marktes übeholen und erst den Bliker setzten, wenn sie bereits auf meiner Höhe sind.
[...] um bestimme Bereiche der Site oder die gesamte Site stärker zu promoten; auch wenn das derzeit sehr umstritten [...]