Global Entertainment and Media Outlook: 2008-2012
Die Schwellenländer werden zu den wichtigsten Impulsgebern für die globale Medien- und Unterhaltungsindustrie. Denn die Erlöse der Medienbranche in Brasilien, Russland, Indien und China wachsen mit jährlichen Steigerungsraten von 13,6 Prozent bis 2012 deutlich schneller als der weltweite Branchenumsatz. Dieser wird bis 2012 pro Jahr um durchschnittlich 6,6 Prozent auf rund 2,2 Billionen US-Dollar (umgerechnet 1,43 Billionen Euro) im Jahr 2012 zulegen. Das prognostiziert PricewaterhouseCoopers (PwC) im “Global Entertainment and Media Outlook: 2008-2012“.
Die Medienbranche der Schwellenländer profitiert dabei von steigenden Einkommen und dem hohen Anteil junger, medienaffiner Konsumenten. Wachstumstreiber in den reifen Märkten der westlichen Industriestaaten sind dagegen die Digitalisierung und der Internet-Vertrieb. Denn diese sorgen für neue Absatz- und weitere Werbemöglichkeiten.
Rückgrat und Umsatzträger der Branche bleibt aber nach wie vor das Geschäft jenseits des Internet.
Zwar tragen mobile und digitale Medien wie Online-Werbung, E-Books und E-Magazine mit 24 Prozent zum Wachstum der Branche bei. Noch ist ihr Umsatzanteil aber gering: Im Jahr 2007 erzielten digitale Segmente gerade einmal fünf Prozent des Gesamtumsatzes der Medienindustrie weltweit. Im Jahr 2012 werden es voraussichtlich immerhin elf Prozent sein oder knapp 234,2 Milliarden US-Dollar.
Deutscher Markt fällt zurück, bleibt aber Nummer zwei in Europa
Auch die westlichen Industriestaaten bleiben ungeachtet der vergleichsweise niedrigen Wachstumsraten mit Abstand die wichtigsten Medienmärkte. So steigt der Branchenumsatz in den USA bis 2012 um voraussichtlich 4,8 Prozent pro Jahr auf 758,9 Milliarden US-Dollar, in Westeuropa um 5,4 Prozent auf 632,8 Milliarden US-Dollar und in Japan um 3,6 Prozent auf 166,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2012.
Deutschland verzeichnet mit einem jährlichen Plus von lediglich 3,9 Prozent die europaweit geringsten Zuwächse bis 2012, bleibt aber mit einem Erlös von voraussichtlich 123,9 Milliarden US-Dollar der zweitgrößte Medienmarkt Europas hinter dem Vereinigten Königreich (152 Milliarden US-Dollar).
Internet wird mobil
Ein Internetanschluss ist in den meisten Haushalten der Industriestaaten zwar mittlerweile selbstverständlich. Das gilt aber (noch) nicht für Länder wie China oder Indien. Die Penetrationsrate lag 2007 erst bei knapp 21 Prozent in China und 6,1 Prozent in Indien. In Westeuropa verfügen hingegen knapp 63 Prozent, in den USA gut 81 Prozent und in Japan sogar über 90 Prozent der Haushalte über einen Internetzugang. Dennoch ist der Internetmarkt auch in den Industrieländern nicht gesättigt. Denn immer mehr Konsumenten wollen auch unterwegs per Handy oder Laptop mobil im Internet surfen.
Entsprechend steigen werden bis 2012 die weltweiten Erlöse aus Internet-Zugangsentgelten: voraussichtlich um durchschnittlich 9,3 Prozent pro Jahr. Noch dynamischer verläuft die Entwicklung im mobilen Internet. Hier wächst der Umsatz in den kommenden fünf Jahren um durchschnittlich 18,9 Prozent bis 2012.
Fernsehen bleibt bei Werbung führend - nur nicht in Deutschland
Die Werbeerlöse der Medienbranche steigen von 2008 bis 2012 voraussichtlich um 6,1 Prozent. Dabei verzeichnet die Online-Werbung mit einem durchschnittlichen Zuwachs von 19,5 Prozent die höchsten Steigerungsraten. Das mit Abstand wichtigste Werbemedium bleibt aber das Fernsehen, das seine Umsatzerlöse um jährlich 5,9 Prozent steigern dürfte.
In Deutschland hingegen zeichnet sich ein umgekehrtes Bild ab. Zwar wächst auch hierzulande der Umsatz mit Online-Werbung mit 17,6 Prozent schneller als der der TV-Werbung (3,2 Prozent Wachstum bis 2012). Im Jahr 2012 wird die Online-Werbung (einschließlich mobiler Online-Werbung) aber die derzeit stärksten Werbeträger Zeitungen und Fernsehen erstmals ablösen.
Filmbranche erholt sich
Für die Filmindustrie prognostiziert der Outlook eine deutliche Erholung. Nachdem die Umsätze in den vergangenen zwei Jahren nur um weniger als drei Prozent zulegen konnten und 2005 sogar rückläufig waren, ist für den Zeitraum von 2008 bis 2012 mit einem jährlichen Zuwachs von 5,3 Prozent auf rund 111,2 Milliarden US-Dollar zu rechnen. Treiber dieser Entwicklung sind die technische Aufrüstung der Kinos mit digitalen 3-D-Projektoren, das Ende des Formatstreits bei den hochauflösenden DVDs und attraktive Angebote für Video-on-Demand.
Musikindustrie schrumpft als einzige Mediensparte
Die Musikindustrie ist die einzige Mediensparte mit rückläufigen Erlösen. In den kommenden fünf Jahren wird der Umsatz voraussichtlich um durchschnittlich 0,6 Prozent auf knapp 32,5 Milliarden US-Dollar sinken. Zwar wächst der Markt für Musik-Downloads deutlich zweistellig, diese Entwicklung kann den Umsatzeinbruch im Tonträgerverkauf jedoch zumindest in den kommenden zwei bis drei Jahren nicht ausgleichen.
Verlage profitieren von Digitalisierung
Der Umsatz der Zeitungs-, Zeitschriften- und Buchverlage wird demgegenüber dank der fortschreitenden digitalen Vermarktung stabil wachsen. Anzeigen in Print- und Online-Medien sowie Vertriebserlöse lassen den Gesamtumsatz der Verlagsbranche von rund 548,4 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr auf voraussichtlich rund 630,6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2012 ansteigen.
Ein rasantes Wachstum prognostiziert die Studie für E-Books. Der Umsatz mit digitaler Literatur und Lehrbüchern wird von 2008 bis 2012 um durchschnittlich 38,2 Prozent auf knapp 6,8 Milliarden US-Dollar zulegen. Mit gut 123 Milliarden US-Dollar werden die Buchverlage allerdings auch in fünf Jahren den Löwenanteil ihrer Erlöse mit gedruckten Titeln erwirtschaften.